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Herne.   Vanessa Keller ist Gemeindepädagogin in Wanne-Süd: Die 24-Jährige will die Jugend mit der Kirche versöhnen

Sie macht Jugendsozialarbeit in Wanne-Süd: Vanessa Keller (24).Foto: Olaf Ziegler

In den Ferien waren sie „freerunnen“. Die Jungs und Mädels liefen dabei – grob zusammengefasst – über Stock und Stein; „Freerunning“, übersetzt etwa „freies rennen“, ist eine angesagte Trendsportart. Natürlich hatte das auch was mit Gott zu tun; ganz nebenbei sprachen die Jugendlichen über Bibelstellen und was die mit ihrem Alltag zu tun haben. Aber im Vordergrund stand der Sport. „Zu 95 Prozent“, sagt Vanessa Keller über ihre Aufgabe, „sind wir Freizeitbelustigung.“

Keller ist die große Hoffnung der evangelischen Matthäusgemeinde. Die 24-Jährige ist die neue Gemeindepädagogin in Wanne-Süd, sie soll dabei helfen, die Jugend mit der Kirche zu versöhnen – gerade diejenigen, die keine Stammbesucher der Jugendgottesdienste sind. „Mein Ziel ist: Keiner soll sich genieren zu sagen, ich gehe ins Jugendhaus“, so Keller.

In dem Stadtteil gebe es viele prekäre Familien, um deren Kinder möchte sie sich besonders kümmern. Zweimal die Woche ist sie in einem gut ausgestatteten Keller an der Zeppelinstraße für die Schüler da, sie sagt: „Ich mache Jugendsozialarbeit, keine reine Kirchenarbeit.“

Für die Gemeinde bedeutet Kellers Engagement einen „Neustart“, wie Pfarrer Frank Weyen sagt: „Vanessa Keller geht mit vielen kreativen Ideen in die Aufgabe rein.“ Um Jugendliche für kirchliche Angebote zu interessieren, müsse man „Formate finden, die sie auch annehmen. Das machen die Gemeinden im Kirchenkreis Herne gut“, anders als Gemeinden in umliegenden Städten. Vanessa Keller zitiert auf die Frage nach ihrem Ansatz den Theologen Dietrich Bonhoeffer: „Man darf die Leute nicht spirituell vergewaltigen.“ Christliche Moral soll eine Rolle spielen, aber nicht zu offensichtlich. Keller sieht den Kampf gegen Armut „als eines der Grundthemen der Bibel“.

Frühstück für Obdachlose
Die junge Frau sorgt sich seit Jahren um die Schwachen der Gesellschaft. Sie studierte Gemeindepädagogik an der Evangelischen Fachhochschule in Bochum, war ein Jahr lang als Praktikantin die rechte Hand eines Gelsenkirchener Pfarrers, engagiert sich in einer Bochumer Freikirchengemeinde. Jeden Sonntag um halb acht macht sie Obdachlosen im Bochumer Bermudadreieck Frühstück. Für die gilt das gleiche Prinzip wie für die Jugendlichen aus Wanne-Süd: Jeder kann kommen, aber keiner muss Angst vor zu viel Spiritualität haben – „wir zerren sie nach dem Essen nicht in den Gottesdienst“, stellt sie klar.

Desinteressierte Jugendliche, Kirchenaustritte, sinkende Akzeptanz in der Bevölkerung: Manche seien bei dieser Ausgangslage demotiviert. Nicht so Vanessa Keller. Für sie, sagt die junge Frau, sei dies „die perfekte Zeit: Alte Rituale werden aufgebrochen.“ Oder, wie Pfarrer Weyen sagt: „Wir müssen als Kirche moderner werden.“

Jonas Erlenkämpe

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